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Waldbaden Shinrin-Yoku: die Wirkung des Waldes und der Natur auf den Menschen

27. Aug.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Aug.

(c) Vicky Posch
(c) Vicky Posch

  • Wie fühlst du dich, wenn du im Wald spazieren gehst?


  • Auf was achtest du? Was siehst, hörst oder riechst du?


  • Hast du dich schon einmal bewusst hineingefühlt oder darüber nachgedacht?


  • Wie fühlst du dich normalerweise danach?


Waldbaden kommt ursprünglich aus Japan und bezeichnet die bewusste Erfahrung des Menschen im Wald oder das Eintauchen in die Waldatmosphäre. Beim Waldbaden erfährt man die Wirkung des Waldes bewusst, direkt und intensiv. In Japan setzt sich der Begriff zusammen aus: 森林 (Shinrin), was „Wald“ bedeutet, und 浴 (yoku), was „Baden“ bedeutet – zusammen "Shinrin-yoku". Schon seit 1982 gibt es den Begriff Waldbaden in Japan. Die Forest Agency of Japan empfahl nämlich, Waldbaden als Aktivität im Stress- und Entspannungsmanagement in sein Leben zu integrieren. Daher wird Waldbaden dort schon länger als Therapie (auch als natürliche Aromatherapie) und eine Form der Entspannung angesehen und anerkannt. Denn Waldbadtrips senken z.B. signifikant die Zahlenwerte von Angst, Depression & Wut, können bei regelmäßiger Durchführung helfen, das Risiko von psycho-sozialen, stressbedingten Krankheiten zu senken und einen Burnout präventiv zu vermeiden.

 

In unseren Breiten wird bewusstes Waldbaden bzw. die Wirkung des Waldes ebenfalls immer mehr zum Thema, denn die dadurch ganzheitlich gesundheitsfördernde Wirkung ist in den letzten Jahren bekannter, vermehrt wissenschaftlich erwiesen worden und auch in der Medizin schon angekommen – auch wenn noch viel Luft nach oben herrscht. ExpertInnen der Medizinischen Universität und der Universität für Bodenkultur in Wien haben im Rahmen der „Green Public Health“-Forschung eine wissenschaftliche Zusammenschau zur Gesundheitswirkung von Waldlandschaften aus 20 Jahren erstellt. Berücksichtigt wurden dabei 149 Artikel sowie 31 Publikationen zwischen den Jahren 1993 und 2013. Kurz: im Rahmen der Green Public Health wird die gesundheitsfördernde Wirkung der Natur erforscht. Auch die aktuelle Gesundheitsstrategie der Weltgesundheitsorganisation WHO, widmet sich schwerpunktmäßig der Bekämpfung stressbezogener Krankheiten und der Gesundheitsvorsorge. Somit wird die Ressource Wald und Waldbaden auch diesbezüglich immer essenzieller.



Entfremdung von der Natur

 

Durch unsere technikaffine Gesellschaft finden immer wieder sozial-ökologische Veränderungen statt. Durch modernere Arbeitsbedingungen und diverse Freizeitgewohnheiten kann dadurch ein Lebensstil begünstigst werden, der im Alltag ein erhöhtes Stresslevel mit sich bringt. Die Gleichzeitigkeit von sozialer Dichte und sozialer Isolation – Phänomene, die in Städten häufiger vorkommen als auf dem Land – können außerdem zu sozialem Stress führen, das wiederum zu vermehrten Zivilisationskrankheiten führen kann. Das heißt: die zunehmende Urbanisierung geht oft einher mit der Entfremdung von der Natur, die uns sowohl psychisch als auch physisch belastet.


(c) Vicky Posch
(c) Vicky Posch

Durch die vielen Reize und der teilweise Reizüberflutung der Stadt und der Technik können auch unsere Sinne und unsere Achtsamkeit darunter leiden. Allerdings sind die Sinne ein natürlicher Bestandteil von uns Menschen, tragen zur Naturverbundenheit bei und lassen Körper & Psyche wieder miteinander verbinden.





Unsere 5 Sinne


Wenn wir in den Wald gehen zum Waldbaden geht es um den bewussten Aufenthalt im Wald, die Wahrnehmung der vielfältigen Natur und die Sinnesschärfung.


 

1)      Sehen


  • Genau hinsehen: die vielfältige Natur im Wald wirklich wahrnehmen

  • Bäume, Sträucher, Blüten, Kräuter, Pilze, Moose, Flechten, Tropfen…

  • Verschiedene natürliche Farbtöne

  • Durchströmen der goldenen Sonnenstrahlen

 

2)      Riechen


  • Duft der Blüte, des Bodens, Harz, Nadeln, der Waldduft (kostenlose Aromatherapie)

  • der erholsame, entspannende und typische Waldduft kommt vor allem aus den ätherischen Ölen im Wald (Phytonzide – dazu gleich mehr)

  • Fachleute destillieren ätherische Öle aus Bäumen für den typischen Waldduft, den man sich ins eigene Zuhause holen kann - diese ersetzt aber keinen echten Spaziergang, sondern ergänzt ihn nur!


3)      Schmecken


  • Kräuter, Früchte, Maiwipferl, ...


4)      Hören


  • Blätter im Wald, Vögel, Wind, Knacksen von Ästen...


5)      Fühlen


  • Barfuß gehen, Borke, Wasser, Moos, ...



  

Warum Zeit im Wald so gut tut – Ciao Stress


Kurz gesagt: Aufenthalte und die natürlichen Stoffe im Wald...


  • fördern Gesundheit und Wohlbefinden

  • bewirken körperliche Erholung und Regeneration

  • geben ein glücklich-ausgeglichenes Gefühl

  • füllen die Lungen mit frischer Luft und befreien Atemwege

  • Stresshormone werden abgebaut, Stärkung des Herzkreislauf- und Immunsystems

  • natürliche Killerzellen werden vermehrt produziert (Abwehr von Krebszellen & Viren)

  • beugen Krankheiten vor

  • können die Lebensqualität bei bestehenden Krankheiten verbessern

  • ...und das vor allem bei regelmäßigen Aufenthalten



(c) Vicky Posch
(c) Vicky Posch

ABER bereits wenige Minuten bewusster Aufenthalt bzw. Freizeit im Wald reichen, damit sich die subjektiv empfundene Müdigkeit und Erschöpfung verringern kann. Es gibt keine festen Regeln, wie oft bzw. wie lang man Waldbaden soll, aber so oft und so lange wie möglich (z.B. 30min 2x/Woche).





Wirkung auf den Menschen


Abbildung 1: Paper von Li Q. (2010)
Abbildung 1: Paper von Li Q. (2010)

Folgend sind wissenschaftliche Resultate von Li Q. aufgelistet – über die Effekte von Waldbaden auf die menschliche Immunfunktion.


Definition Waldbaden: Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes für Entspannung und Regeneration, während man die Phytonzide (flüchtige Verbindungen oder die sog. ätherischen Öle der Bäume) einatmet. Diese bestehen überwiegend aus Terpenen und Monoterpenen (Gruppe organischer Verbindungen). Sie locken Nützlinge an, wehren Parasiten ab & schützen den Baum vor Bakterien und Pilzbefall.


Abbildung 2: Grafik A mit NK- Aktivität in % ; Grafik B mit NK-Zellen in Anzahl/ul (Li, 2010)
Abbildung 2: Grafik A mit NK- Aktivität in % ; Grafik B mit NK-Zellen in Anzahl/ul (Li, 2010)

Li Q. hat somit u.a. die natürlichen Killerzellen (NK) und ihre Aktivität gemessen:


NK-Zellen sind eine Art weiße Blutkörperchen. Sie erkennen Tumorzellen, virusinfizierte Körperzellen und können diese eliminieren.


Das heißt: Waldbadtrips (Day 1, Day 2) resultierten in erhöhter NK-Aktivität, welche wiederum mit erhöhten NK-Zellen in Zusammenhang steht (siehe Abb. 2).


Die NK-Aktivität wurde wiederum mit einem Stadttrip verglichen, wobei der Unterschied zwischen dem Waldbadtrip und dem Stadttrip klar zu sehen war.


Weitere konkrete Beispiele: Komori et al. (1995) zeigte, dass der Zitrusgeruch im Wald das menschliche Hormon- & Immunsystem beeinflusste. Grassmann et al. (2003) zeigte, dass die ätherischen Öle von Pinus mugo (Latsche) antioxidative Eigenschaften haben.


Außerdem: in meinem Buch (das derzeit geschrieben wird!) werden wir uns noch mehr und genauer mithilfe der Wissenschaft die psychischen und physischen Wirkungen von Waldbaden auf den Menschen ansehen und beschäftigen uns zusätzlich mit dem sozial-ökologischem Wert des Waldes und noch Einiges mehr - ein interdisziplinärer Ansatz.



Eigentlich ist es bekannt, dass die Zeit im Wald guttut. Allerdings vergessen wir oft darauf. Ein effektiver Schritt zu einem ausgewogenen, gesünderen und bewussteren Leben ist, uns wieder bewusst zu machen, wieviel Kraft uns Natur und Wald geben kann. Naturverbundenheit heißt nämlich auch wieder Verbundenheit mit sich selbst, da wir selbst Natur sind.

Je öfter wir uns dessen bewusst sind und auch fühlen, was für eine Wirkung die Zeit in Natur und Wald auf uns haben kann, desto mehr denken wir daran und können diese Zeit Schritt für Schritt in unser Leben integrieren.

 

Wir üben das gemeinsam in meinen Naturführungen, Teambuildings und Workshops, schärfen unsere Sinne und erlernen effektive Übungen, um sie auch selbst anwenden zu können. Infos und Anmeldung für die nächste Baumheilkundeführung inkl. Waldbaden findest du hier: https://www.wurzeliges.com/contact-10


Ich freue mich auf eine entspannte, gemeinsame Zeit! :)


Quellen:


  • Grassmann, J., Hippeli, S., Vollmann, R., & Elstner, E. F. (2003). Antioxidative Properties of the Essential Oil from Pinus mugo. Journal of agricultural and food chemistry, 51 (26), 7576-7582. https://doi.org/10.1021/jf030496e


  • Komori, T., Fujiwara, R., Tanida, M., Nomura, J., Yokoyama, M. (1995). Effects of Citrus Fragrance on Immune Function and Depressive States. Neuroimmunomodulation, 2 (3): 174–180. https://doi.org/10.1159/000096889





 

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